Neue Lust am Schwof - Tanzkurse sind wieder gefragt
Berlin (dpa) - Walzer, Salsa, Cha Cha Cha: Die Lust auf einen Tanzkurs ist in Deutschland weiter gewachsen. Die Zahl der Kursteilnehmer sei allein 2006 um rund zehn Prozent gewachsen - Tendenz in allen Altersgruppen steigend.
Das teilt der Allgemeine Deutsche Tanzlehrerverband (ADTV) mit. Verbandssprecherin Antje Kurtz erklärt sich die Freude am Tanzen durch neue Fernseh-Formate, ein breiteres Kursangebot für Jung und Alt, mehr Gesundheitsbewusstsein sowie ein insgesamt weniger angestaubtes Image der Branche. «Wenn Promis in Fernsehshows tanzen, hat das durchaus Vorbildcharakter», sagte sie.
Bei der letzten genauen Zählung im Jahr 2004 kamen rund 1100 Menschen pro Woche in die rund 750 ADTV-Tanzschulen, berichtete Kurtz. Ein Viertel war unter 15 Jahre alt, ein weiteres Viertel bis 29. Ein Drittel der Tänzer zählte 30 bis 49 Jahre, 15 Prozent waren über 50. Und auch mit dem Klischee vom Mann als Tanzmuffel räumte die Statistik auf: 40 Prozent der Kursbesucher waren Männer.
Gesellschaftstanz sei in den vergangenen Jahren lockerer geworden und werde kaum noch belächelt, sagte Kurtz. Kursangebote würden auch nicht mehr so häufig mit dem Profi-Tanzsport und seinen Turnieren verwechselt. «Tüllkleidchen und stark geschminkte Tänzer haben die Leute früher eher abgeschreckt», berichtete Kurtz. Viele Schulen hätten sich seit Ende der 90er Jahre von reinen «Lehranstalten» zu Freizeitstätten mit Partys und Gastronomie entwickelt.
Auch das Angebot ist vielfältiger geworden. Tanzschulen bieten heute Pampers-Tanz für Mütter mit kleinen Kindern, für Jugendliche gibt es Hip-Hop-Kurse, Breakdance oder Videoclip-Dancing. Und auch die Pflicht, einen Tanzpartner mitzubringen, ist den Realitäten einer großstädtischen Single-Gesellschaft samt den «jungen Alten» gewichen: Neben den klassischen Paartanz-Angeboten stehen Kurse für «Alleintänzer» auf dem Programm. Gesundheitsbewusste zählen sie zur Wellness-Bewegung.
In Großstädten wie Berlin erlebt das Ballhaus eine Renaissance. Zur Musik einer Band schwofen in großen Altbau-Sälen Jung und Alt auf dem Parkett. Wer die richtigen Schritte nicht kennt, kann sie zu Beginn des Abends schnell in einem Crash-Kurs lernen. Und wer keine Lust zum Tanzen hat, isst deftige Berliner Gerichte an den Tischen nahe der Tanzfläche - und schaut einfach nur zu.
«Auf dem Tanzparkett geht es heute lustvoller und freier zu. Mal tanzt man allein, mal mit Partner, alles ganz flexibel», berichtete ADTV-Sprecherin Kurtz. Jugendliche probierten die erlernten Schritte zur Chartmusik aus, die Älteren tanzten den klassischen Walzer mit neuen Figuren. Zum Tanz des Jahres wurde gerade der Cha Cha-Rhythmus erkoren. Und durch alle Zeiten hindurch bleiben die Tanzschulen ein Ort der Begegnung - flirten inklusive.
(Quelle: General Anzeiger Bonn)