Als das Tanzen verboten war
Bornheim. 1608 ist die Bernemer Kerb, die auf die Weihe der Johanniskirche als Bornheims ältestes Gotteshaus zurückgeht, erstmals urkundlich erwähnt, weiß Kerbebürgermeister Hans Zadow natürlich. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Bürgervereins und Förderkreises historisches Bornheim, Bernhard Ochs, ließ er beim jüngsten SPD-Stammtisch die 399-jährige Geschichte des größten Bornheimer Festes Revue passieren. Dabei erinnerten die beiden vor allem auch daran, dass die Kirchweih nicht in jedem Jahr gefeiert und teilweise sogar verboten worden war.
Da beispielsweise während der napoleonischen Zeit nicht nur die Kirchengüter, sondern auch das Fest der Kerb verweltlicht wurden, fand sie um 1880 herum in den Gaststätten statt. Als um 1900 zahlreiche Vereine gegründet wurden, versuchten deren Mitglieder immer wieder, die Kerb zu beleben. Mit wechselndem Erfolg. Mal wurde gefeiert, mal eben nicht. Bis sich in der Großen Spillingsgasse 14 Bornheimer zusammenfanden, um 1932 die Kerwe-Gesellschaft zu gründen. Erster Vorsitzender war damals Adolf Engler. „Seitdem gab es wieder eine zentrale Kerb in Bornheim, bis zum Zweiten Weltkrieg.“
Nach Ende der „dunklen Zeit“ wurde die Kerb 1945 gleich wieder belebt, sagt Zadow. „Das Feiern großer Feste war zwar in jenem Jahr noch verboten. Deshalb wurde in verschieden Hinterhöfen und Gaststätten gefeiert.“ Ein Brauch, aus dem sich die heutige Bernemer Kerb in seiner heutigen Form entwickelt habe.
Wegen häufiger Ausschweifungen war die Kerb im Laufe der vergangenen 400 Jahre öfter mal verboten worden, weiß Zadow. „1679 beschwerte sich der Pfarrer über die Bornheimer Saufknechte und Weinhelden und plädierte für ein Verbot der Kerb vor der Kirche, was im selben Jahr auch geschah.“ Auch 1771 wurde über Schwelgerei, Tanzen und Raufereien berichtet, von liederlicher Geldverschwendung, Mord und Totschlag. Und noch 1956 zum evangelischen Kirchentag sei die Kerb ebenfalls verboten worden, erinnerte Bernhard Ochs.
„Deshalb sind wir froh, dass es heute anders ist. Es ist immer wieder erstaunlich, wie friedlich so viele Menschen gemeinsam feiern können“, freut sich der Kerbebürgermeister. (hau)
(Quelle: rhein-main.net)